Erasmus+ Austausch in Alicante: Demokratie, Erinnerung und europäische Perspektiven 

Geschrieben von Sofia Sachinidou.

Im Rahmen des Erasmus+ Programms fand der Gegenbesuch des EvB-Gymnasiums in Alicante (Spanien) statt. Die Schüler:innen der EF und Q1 setzten ihre gemeinsame Projektarbeit zur Demokratieentwicklung nach den Diktaturen unter Hitler und Franco fort und vertieften ihre interkulturellen sowie historischen Kenntnisse vor Ort. Begleitet wurde die Gruppe von den Lehrkräften Esther Slach und Sofia Sachinidou. 
Nach der Ankunft wurden die Schüler:innen von ihren Gastfamilien am Flughafen empfangen. Gemeinsame Ausflüge, unter anderem in die Küstenstadt Altea, boten bereits zu Beginn vielfältige Gelegenheiten zum interkulturellen Austausch und stärkten das Gemeinschaftsgefühl innerhalb der Gruppe.

Erste Einblicke in Alicante

Zu Beginn des Aufenthalts erhielten die deutschen Schüler:innen durch eine Präsentation ihrer spanischen Austauschpartner:innen einen ersten Einblick in die Stadt. Im Anschluss folgte eine gemeinsame Stadterkundung, bei der zentrale Orte wie der Zentralmarkt, der Hafen, die Esplanade sowie das Casa Carbonell besucht wurden. 
Besonders der Zentralmarkt wurde als historischer Erinnerungsort thematisiert, der eng mit dem demokratischen Gedächtnis Spaniens verbunden ist. So erhielten die Schüler:innen einen anschaulichen Zugang zur Verbindung von Geschichte, Erinnerungskultur und Gegenwart.

Gemeinschaft erleben am Mittelmeer 

Ein weiterer Programmpunkt führte die Gruppe an die Küste Alicantes. Durch gemeinsame sportliche Aktivitäten wie Volleyball und Paddle-Volleyball bot sich die Gelegenheit, die mediterrane Umgebung aktiv zu erleben.


Geschichte vor Ort: Exkursion nach Elche
 

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der historischen Auseinandersetzung mit dem Spanischen Bürgerkrieg und der Franco-Diktatur. Im Rahmen eines Ausflugs nach Elche besuchten die Schüler:innen Luftschutzbunker aus dem Bürgerkrieg, die eindrucksvoll die Auswirkungen des Konflikts auf die Zivilbevölkerung verdeutlichen. 
Ergänzend dazu stand die Auseinandersetzung mit persönlichen Erinnerungen an Krieg und Diktatur im Mittelpunkt. Auf Grundlage zuvor geführter Interviews mit Familienangehörigen und Zeitzeug:innen kamen die Schüler:innen über individuelle Erfahrungen aus dem Nationalsozialismus, dem Spanischen Bürgerkrieg und der Franco-Diktatur ins Gespräch. Diese persönlichen Perspektiven verliehen dem Thema eine besondere Unmittelbarkeit und machten deutlich, wie unterschiedlich Geschichte in Europa verarbeitet und erinnert wird. 
Abgerundet wurde der Tag durch einen Besuch des historischen Stadtzentrums sowie des Palmenhains „El Palmeral“, der zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt.

Wissenschaftliche Perspektiven und Abschluss des Projekts 

Am vierten Tag vertieften die Schüler:innen ihre Kenntnisse durch Vorträge zur Repression während der Franco-Diktatur, insbesondere in der Region Alicante. Die anschließenden Diskussionen eröffneten einen differenzierten Blick auf die Bedeutung von Erinnerungskultur und demokratischer Aufarbeitung. 
Darauf aufbauend setzten sich die Schüler:innen erneut mit ihren Interviews auseinander, werteten diese aus und reflektierten gemeinsam, inwiefern internationale Austauschprogramme wie Erasmus+ einen Beitrag zur Stärkung demokratischer Werte und zur Förderung eines gemeinsamen europäischen Verständnisses leisten können. 
Den feierlichen Abschluss bildete die Übergabe von Teilnahmezertifikaten im Rahmen des Programms „Demokratie (Erinnerung) und Frieden“. Ein gemeinsames Mittagessen (Verkostung einer traditionellen Paella), begleitet von Musik, rundete den Aufenthalt ab und bot Gelegenheit, die gemeinsamen Erfahrungen in entspannter Atmosphäre ausklingen zu lassen.

Fazit: Europa durch Begegnung verstehen 

Der Aufenthalt in Alicante hat die im ersten Austausch gewonnenen Erkenntnisse nachhaltig vertieft. Die Schüler:innen konnten erleben, wie unterschiedlich historische Erfahrungen in Europa verarbeitet wurden und welche zentrale Rolle Erinnerungskultur für demokratische Gesellschaften spielt. 
Gleichzeitig wurde deutlich, dass interkulturelle Begegnungen Wissen vermitteln sowie Verständnis, Empathie und ein nachhaltiges europäisches Bewusstsein fördern.